Wikipediaeintrag zum Biosphärenreservat
https://de.wikipedia.org/wiki/Biosph%C3%A4renreservat_Schorfheide-Chorin
Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands
Art. 34 Umweltschutz
- Ausgehend von der in Artikel 16 des Vertrags vom 18. Mai 1990 in Verbindung mit dem Umweltrahmengesetz der Deutschen Demokratischen Republik vom 29. Juni 1990 (GBl. I Nr. 42 S. 649) begründeten deutschen Umweltunion ist es Aufgabe der Gesetzgeber, die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen unter Beachtung des Vorsorge-, Verursacher- und Kooperationsprinzips zu schützen und die Einheitlichkeit der ökologischen Lebensverhältnisse auf hohem, mindestens jedoch dem in der Bundesrepublik Deutschland erreichten Niveau zu fördern.
Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gehört mit 129.161 Hektar zu den größten Schutzgebieten Deutschlands. Das Großschutzgebiet wurde als Teil des Nationalparkprogramms der DDR am 12. September 1990 gegründet. Drei Wochen später wurde es als „fortgeltendes DDR-Recht“ in den Einigungsvertrag zwischen der DDR und der BRD aufgenommen.
Das Biosphärenreservat ist eine von weltweit 784 UNESCO-Modellregionen in 140 Staaten (Stand Januar 2026), in denen, gemäß dem UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB), das Leben und Wirken des Menschen mit und in der Natur dazu beitragen soll, die gewachsene Kulturlandschaft zu schützen und nachhaltig weiterzuentwickeln.
Das Besondere am Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist die Existenz der vollständigen Abfolge aller Oberflächenformen, die uns die letzte Eiszeit hinterlassen hat. Im nordöstlichen Teil des Landes Brandenburg, der Uckermark und dem Barnim gelegen, umfasst es eine eindrucksvolle Kulturlandschaft mit rund 230 Seen, tausenden Mooren, ausgedehnten Wäldern, Wiesen und Äckern. Generationen von Menschen prägten unterschiedliche Kulturlandschaftsformen im Biosphärenreservat.
Von herausragender Bedeutung sind die ausgedehnten Tiefland-Buchenwälder, die ganz überwiegend naturschutzintegriert bewirtschaftet werden (80 % Landes-, Stiftungs- und Kommunalwald), die z.T. großen Klarwasserseen in einem noch guten Erhaltungszustand, die vielen kleineren und größeren Moore, sowie die großflächige moderne Ökolandbau-Agrarlandschaft. Etwa 70 % der Landwirtschaftsfläche wird derzeit pestizidfrei bewirtschaftet (Ökolandbau und extensives Grünland), ca. 85 Ökolandbau-Betriebe wirtschaften im Reservat, das die größte Ökolandbau-Region in Deutschland darstellt.
Das Biosphärenreservat ist gleichzeitig international bedeutend für Wissenschaft und Forschung. Zahlreiche, z.T. sehr langfristige Projekte (u.a. die „Biodiversitäts-Exploratorien“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft: https://www.biodiversity-exploratories.de/de/) befassen sich vor allem mit den Wäldern, insbesondere den Buchenwäldern und ihrer Bewirtschaftung, mit der Agrarlandschaft, insbesondere dem großflächigen modernen Ökolandbau und Zielkonflikten mit dem Naturschutz, sowie den Klarwasserseen und den Mooren.
Von besonderer Bedeutung aus kultureller Sicht und für den Tourismus sind die historisch gewachsenen, harmonisch in die Landschaft eingefügten Dörfer und kleinen Ortschaften sowie z.B. das Kloster Chorin als bedeutendes Baudenkmal. Typisch für das Gebiet sind deshalb der Natur- und Kulturtourismus sowie der Ökolandbau-Tourismus als ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region (siehe z.B.: https://www.oekodorfverein-brodowin.de/).
Von größter internationaler Bedeutung ist zudem der „Buchenwald Grumsin“ als Teil der UNESCO-Weltnaturerbestätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ (https://www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de/teilgebiete/deutschland/grumsin). Der Grumsin ist die einzige Weltnaturerbestätte in Berlin und Brandenburg.
78 % der Fläche sind als Landschaftsschutzgebiet geschützt und dienen in beispielhafter Weise einer dauerhaft naturverträglichen Landschaftsnutzung, hier im Vordergrund die moderne ökologische Landwirtschaft und die Buchenwaldbewirtschaftung.
