Filmemacher Andres Veiel im Deutschlandfunk Kultur zur geplanten Novellierung der Schutzverordnung

Andres Veiel hatte am 15. April die Gelegenheit in der Sendung „Der Tag mit…“ im Deutschlandfunk Kultur auch über das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und die negativen Auswirkungen der geplanten Novellierung der Schutzverordnung zu sprechen.

Hier kann die Sendung nachgehört werden. Ab Minute 27:30 geht es um das Biosphärenreservat:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-tag-mit-andres-veiel-tempo-machen-bei-der-gesundheitsreform-100.html

Transkript des Ausschnitts zum Biosphärenreservat

Jana Münkel (Deutschlandfunk Kultur):
Der Filmemacher, Autor und Theaterregisseur Andres Veiel ist mein Gast hier heute. Herr Feil, Sie haben ein Thema mitgebracht, über das Sie sich so richtig ärgern. Es geht um die sogenannten Biosphärenreservate in Brandenburg. Nehmen Sie uns mal mit.

Andres Veiel:
Ja, das ist ein sehr besonderes Schutzgebiet mit sehr vielen Alleinstellungsmerkmalen. Jetzt im Vergleich zu anderen Landschaftsschutzgebieten ist es eben so, dass Außerhalb der Ortschaften, die dürfen nicht zersiedelt werden, die Räume um die Orte herum. Also es dürfen auch keine Windkraftanlagen dort gebaut werden. Und die Pflasterstraßen sollen als Kulturgut auch erhalten werden. Und es ist eine Modellregion, also es geht jetzt nicht nur um Naturschutz, sondern es geht eigentlich um die Verträglichkeit, wie können wir ökonomische Notwendigkeiten, also sprich auch Landwirtschaft – vor allem dann ökologische Landwirtschaft – so fördern, dass sie naturverträglich dann so umgesetzt werden kann. Und das funktioniert. Das ist ein wunderbares Modell und ich würde nicht so schwärmen, wenn es jetzt nicht gefährdet wird, weil die Landesregierung eben im neuen Koalitionsvertrag, also Landesregierung hier in Brandenburg, plant, das heißt immer so schön, dass eben genauer hingeschaut werden soll, evaluiert werden soll und angepasst werden soll. Und dann fragt man sich, angepasst könnte man ja in beide Richtungen, also dass man eher Landschaftsschutzgebiete aufwertet im Sinne von den Schutzbestimmungen des Biosphärenreservats. Nein, es ist umgekehrt so, dass in Landschaftsschutzgebieten jetzt schon durch eine sogenannte Verwaltungsvereinfachungsverordnung im letzten Jahr in Brandenburg verabschiedet, außerhalb von Ortschaften im 300-Meter-Kreis gebaut werden kann, also zumindest für Agrarbetriebe, Forstbetriebe oder auch Solaranlagen. Und das soll, wenn man jetzt guckt, Amtsdirektoren sind vorgeprescht, also von verschiedenen Kreisen, die sagen, wir wollen generell bauen innerhalb dieser 300 Meter und das auch im Biosphärenreservat. Das würde zu einer sehr schnellen Zersiedlung führen, das würde das Schutzgebiet deutlich einschränken. Und das ist gefährlich. Das ist gefährlich, nicht nur, weil ein Biosphärenreservat so wunderbar modellhaft zeigt, dass der Schutz von Arten, von Pflanzen, eben durchaus harmonieren kann mit ökologischer Landwirtschaft. Wir haben 60 Prozent sind In dieser Region ökologisch orientiert, die Landwirtschaftsbetriebe, und denen geht es gut. Ja, das muss man ganz klar sagen. Das sollte eigentlich ausstrahlen, republikweit, und es ist nicht nur ein Vorbild jetzt innerhalb von Deutschland, sondern ganz viele andere Länder gucken sich an, aha, es kann ja doch funktionieren. Ökonomie und Ökologie können zusammengehen. Und dass man jetzt ausgerechnet diese Idee verfolgt, zu sagen, das wollen wir jetzt mal kräftig runterschrauben. Damit mehr Häuser gebaut werden können, damit auch hier mehr Windkraftanlagen und Solaranlagen gebaut werden können. Nehmen wir Zersiedlung in Kauf, nehmen wir in Kauf, dass Pflasterstraßen dann asphaltiert werden. Damit die Autos schneller da mit 60 oder 80 dann drüber fahren können über den neuen Asphalt. Das ist eine fatale Entwicklung. Und das muss verhindert werden. Noch ist es in Planung, muss man dazu sagen. Aber deshalb sage ich, wir müssen da sehr früh rote Linien kenntlich machen. Das darf in dem Sinne, was die Landesregierung vorhat hier in Brandenburg, das darf so nicht umgesetzt werden.

Jana Münkel (Deutschlandfunk Kultur):
Ich höre den Ärger und die Leidenschaft daraus, Herr Veiel. Mir ist jetzt eine Frage gekommen. Sie haben auch gesagt, da geht es darum, dass eben Windkraftanlagen, Solaranlagen nicht gebaut werden, zumindest eben nicht in den Biosphärenreservaten. Jetzt könnte es ja aber sein, dass ein ökologischer Landwirtschaftsbetrieb sagt, für uns wäre es eigentlich total sinnvoll, wenn da eine Solaranlage nicht weit weg wäre, weil eben da ja das Ziel ein ähnliches ist, nämlich nachhaltiger zu wirtschaften im weitesten Sinne.

Andres Veiel:
Absolut, also ich sage ja nicht, dass keiner dieser Betriebe auf ihre vielen, vielen Stahldächer Solaranlagen drauf machen können. Und auf dem Gelände selbst, möglicherweise auch im kleineren Sinne dann auch Windkraftanlagen, aber eben nicht im Sinne der Zersiedlung der Landschaft. Also wir haben ja genügend Räume in Brandenburg, also im Verhältnis zu anderen Bundesländern, deutlich mehr sogar. Also wir preschen, wir sind in den letzten zehn Jahren deutlich vorgeprescht, was Windkraftanlagen und Solaranlagen angeht. Deshalb muss aber jetzt nicht alles überall zersiedelt werden. Und da geht es nicht um St. Florians-Prinzip, sondern es geht darum, dass wir Räume behalten. Die eben ausstrahlen auf andere, und zwar nicht nur innerhalb von Deutschland, sondern man kann fast sagen, weltweit. Deshalb hat die UNESCO diese sogenannten Biosphärenreservate ja geschaffen, um modellhaft zu zeigen, es kann funktionieren, Wirtschaftswachstum, Ökonomie kann versöhnt werden mit Naturschutz. Und den Naturschutz zu reduzieren oder wegzustreichen, dann kommt das Ganze ins Rutschen und das darf nicht passieren.